Die gute Kinderstube

Astrid Bühler mit Welpe aus eigener Zucht
„Sagt an, ihr Herr’n, was kostet

Frau Bühler, seit 1994 züchten Sie die Varietät Malinois der Belgischen Schäfer (Leistungslinie), und nennen Ihren Zwinger „vom Kistenstein“. Was bedeutet „Kistenstein“?

Kistenstein ist der Name eines Berges oberhalb von Fideris, zu dem mein Mann und ich eine persönliche Beziehung haben. Wir waren unterhalb des Kistensteins auf der Alp und haben mit einem Malinois Vieh gehütet.

Welpe schaut aufmerksam
Eine neue Welt wartet entdeckt zu werden

Wird man mit der Zucht von Arbeitshunden reich?

Wenn man mit der Zucht beginnt, darf man sich diese Frage nicht stellen. Rein kaufmännisch gesehen müsste man nämlich Privatkonkurs anmelden, bevor der erste Welpe verkauft ist. Zucht, so wie wir sie betreiben, könnte nur Gewinn abwerfen, wenn man sie im grossen Stil ausüben würde. Wir betreiben den „Zwinger vom Kistenstein“ als Hobby und lassen uns dies etwas kosten.

Welpe auf der Schulter von Astrid Bühler
Hab‘ ich „linkes Ohr“ gehört?

Stimmt es, dass die Hündinnen ihre Jungen selbst versorgen?

Unsere Hündinnen haben einen starken Bruttrieb und versorgen ihre Jungen bis zum Alter von drei bis vier Wochen selbständig. Danach füttere ich die Jungen etwas zu, weil die Muttermilch nicht mehr ausreicht. In freier Wildbahn würgen die Hündinnen ihr eigenes vorverdautes Futter heraus, sobald sie merken, dass die Milch nicht mehr ausreicht. Unsere Hündinnen würden das auch so machen. Sie würden übrigens vor dem Werfen auch Höhlen graben für die Jungen. Aber wir rüsten ihnen ein Nest zum Werfen und helfen zur Entlastung der Hündinnen mit Futter für die Jungen nach.

Welpen in Wurfkiste
Was geht dort ab?

Welches sind denn die Aufgaben der Züchterin oder des Züchters?

Zuerst geht es um die sorgfältige Auswahl der Elterntiere. Die Elterntiere müssen die gesuchten Arbeitseigenschaften vererben, das heisst, sie müssen selbst schon aus Leistungslinien stammen. Wir halten zwei bis drei Hündinnen und suchen jeweils nach Rüden, welche die gewünschten Bedingungen erfüllen. Wir haben Kontakt zu grossen Züchtern in Belgien und Sportlern/Züchtern/Deckrüden Besitzer in Deutschland und decken unsere Hündinnen in der Regel dort. Das ist natürlich eine aufwändige Sache. Aber wir tragen als Züchter eine Verantwortung für den Wurf

Welpen schlafen im Stroh
Am Ende eines aufregenden Tages

Was meinen Sie genau mit dieser Verantwortung?

Zum einen geht es, wie gesagt, um die Zuchtauswahl. Dann soll eine optimale Aufzucht gewährleistet sein. Die Welpen lernen in den ersten Wochen ihres Lebens so viel, dass sie dazu gute äussere Bedingungen brauchen. Drittens ist das Platzieren der Welpen eine wichtige Sache. Nicht jeder Hund passt an jeden Platz. Da die neuen Hundebesitzer die Welpen ja noch nicht kennen und oft noch nicht grosse Erfahrung in der Haltung von Arbeitshunden haben, sind wir mit der Auswahl des bestmöglichen Platzes für jeden Hund intensiv beschäftigt.

Welpe trinkt Milch
So ist die Welt in Ordnung.

Die Redewendung „wachsen wie junge Hunde“ deutet an, dass sich junge Hunde sehr schnell entwickeln. Wann sind die Jungen selbständig genug, um von der Mutter wegzugehen?

Seit einiger Zeit bestimmt die SKG (Schweizerische kynologische Gesellschaft), wann die Welpen frühestens von der Mutter weggegeben werden dürfen: die Abgabe erfolgt frühestens nach erfüllter neunter Woche.

Finden Sie immer geeignete Plätze für die Jungen?

Wir sind bestrebt, unsere Hunde nur an Plätze abzugeben, die wir für geeignet halten. Deshalb unterhalten wir uns mit den Interessenten ausführlich über die Welpen und über deren zukünftige Aufgabe und Haltung. Erst danach teilen wir die Welpen den neuen Besitzern zu.

Was kostet ein junger Malinois in etwa?

Es ist jedem Züchter frei gestellt, wie viel er für seine Welpen verlangen will. Die Preise sind entsprechend unterschiedlich. In der Schweiz bewegen sich die Preise für einen neunwöchigen Malinois zwischen CHF 1’500.- und CHF 2’000.- Die Welpen sind bei der Abgabe entwurmt, geimpft und gechippt.

Was kostet die Haltung eines Hundes ungefähr pro Monat?

Das kann ich nicht genau sagen, denn das hängt davon ab, wie viele Dinge ein Hundehalter für seinen Hund kauft. Um sich eine Vorstellung zu machen, kann man folgende Rechnung erstellen. Ein Arbeitshund braucht pro Tag etwa einen Fünfliber für Futter, also CHF 150.- pro Monat. Dazu kommt Hundesteuer ca. CHF 10.-, Tierarzt, Impfungen, Fellpflege und Kleinigkeiten ca. CHF 20.-, Verbrauchsmaterial wie Leine, Halsband, Spielsachen, Ausrüstungen für das Training ca. CHF 20.-. Das macht CHF 200.- pro Monat. In diesem Betrag sind noch keine Hundehütte, kein Zwinger, keine grössere Tierarztrechnung enthalten. Wenn der Hund die schöne Stubentüre zerkratzt oder ins neue Ledersofa beisst, so sind diese Kosten eigentlich nicht dem Hund, sondern dem Hundehalter anzurechnen.
Zur Vervollständigung dieser Rechnung müsste man auch angeben, wie viele Arztkosten der Hundehalter für sich selbst spart, weil er täglich mindestens eine Stunde mit dem Hund marschiert. Das ist bekanntlich das Beste, was wir an Präventivmedizin tun können. Unter Berücksichtigung dieser Gegenrechnung vermute ich, unter dem Strich rentiere ein Hund.

Wie lange dauert es, bis ein Welpe „in die Schule“ gehen kann?

Das Leben eines Arbeitshundes ist vom Anfang bis zum Ende eine „Schule“, denn er muss immer neues lernen. Am Anfang sieht vieles, was die Welpen lernen müssen, aus menschlicher Sicht sehr spielerisch aus. Aber das darf nicht über die Ernsthaftigkeit dieses Lernens hinweg täuschen. Die Frage meint wohl, wann der Hund die für ihn vorgesehene Arbeit erlerne. Das lässt sich nicht allgemein sagen. Bei manchen Hunden beginnt dies sehr früh, andere brauchen etwas mehr Zeit. Die Ausbildung muss in jedem Fall dem Entwicklungsstand des Hundes angepasst sein. Für eine erfolgreiche Ausbildung ist die Zusammenarbeit mit Fachleuten nötig.

Interview: G. Caduff